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| Autor: Christoph
Kunz
Datum: 23. Oktober 2005 |
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Zu Anfang der dritten Staffel von DS9 wurde uns ein neuer Feind präsentiert. Das Dominion prägte daraufhin die Serie. Es war immer die große Gefahr aus dem Gamma Quadranten.
Vorgestellt wurde es als
eine gewaltige Supermacht, die sich durch einen strengen hierarchischen
Aufbau kennzeichnet.
Die Geschichte des Dominion
liegt zum größten Teil im Dunklen. Wir wissen nur, dass die
Gründer, gejagt wurden. Hier fällt besonders schön der Gedanke
von Star Trek ins Auge, niemand wäre von Anfang an böse (übrigens
wird uns dieser Gedanke später noch genauer beschäftigen) – die
Gründer sind sie aggressiv weil an ihnen ein Genozid verübt wurde.
Bedenkt man die starke militärische Aufrüstung des Dominion könnte
man fast auf den Gedanken kommen hier habe eine Autor an Israel gedacht,
doch sollten wir diesen politisch sehr kritischen Gedanken mit allergrößter
Vorsicht betrachten, denn das Dominion ist im späteren Verlauf von
DS9 für den Tod von Millionen Menschen verantwortlich. Ein anfänglicher
Gedanke in diese Richtung mag aber impliziert gewesen sein.
Was ist das Ziel der Gründer, abgesehen davon sich selbst zu schützen?
„In eine chaotische Galaxis Ordnung zu bringen.“
Man bemerkt diesen Wesenzug
auch bei Odo – sein Streben nach Gerechtigkeit wird mehrmals direkt mit
dieser Vorliebe der Gründer in Verbindung gebracht.
Ich denke man kann man dieses
Streben mit dem anfänglichen Gedanken an Israel verbinden – die ganze
Idee Israels, wie wir es nach dem 2. Weltkrieg kennen, entstand aus dem
Bestreben nach Gerechtigkeit für ein Volk. Es erscheint sehr geschickt
und schön die Gründer nun nach Gerechtigkeit und Ordnung streben
zu lassen, aus diesem hehren Gedanken kann man, finde ich, noch nichts
Bösartiges oder Heimtückisches ableiten. Im Gegenteil, den Gründern
muss furchtbares Unrecht angetan worden sein um ihr Ordnungssystem mit
so brutalen Methoden durchsetzen zu wollen. Interessant ist auch der Gedanke,
dass eine Spezies die sich unendlich weit anpassen kann, trotzdem weiterhin
ausgegrenzt wird. Gründer sind die perfekten Einwanderer, niemand
kann sich so gut in eine Kultur integrieren wie sie, doch auch diese Fähigkeit
schützt sie nicht davor „anders“ zu sein. Ein Volk, welches keine
feste Form hat und sich zur Ordnungsmacht des Weltalls erklärt ist
sehr mysteriös. Sie sind praktisch ein Spiegelbild der Föderation,
die Föderation wird durch unendliche Vielfalt in Form der Demokratie
regiert, das Dominion hingegen besitzt ein rigides Regime, das aber aus
dem Potenzial für unendliche Vielfalt seine Kraft schöpft.
Doch wie oben schon angemerkt sind die Vergleiche mit Israel sehr vorsichtig zu machen. Erstens, da Israel in keinster Weise mit einer brutalen Militärdiktatur zu vergleichen ist, welche genetisch vorbelastet wäre. Dies würde allen Antisemitismus dieser Welt auf ein Volk aus Star Trek projizieren. Zweitens ist gerade in deutscher Sprache, das in Verbindung bringen Israels mit einer fiktiven Supermacht die Millionen Menschen abschlachtet pietätlos, antisemitisch und wohl auch lächerlich.
Ich würde nur gerne anmerken, dass man sich die Situation der Gründer vielleicht besser vor Augen halten kann, wenn man an das Leid der Juden denkt, und sich in Gedächtnis ruft warum Israel auf einen so starken Schutz besteht. Ich denke eher nicht, dass Star Trek Autoren an Israel dachten als sie das Dominion erschufen, aber wenn wir wissen wollen warum das Dominion, verschlossen ist, den besten Geheimdienst der Star Trek Galaxis hat und militärisch keine Kompromisse eingeht, so sind dies Faktoren die wir nur verstehen können wenn wir uns ähnliche Gedanken zu eigen machen. Auch auf unserer Welt gibt es ein Volk das verfolgt wurde, und welches jetzt ein starkes Schutzbedürfnis hat.
Nachdem wir uns nun mit den
Gründern befasst haben wären die nächste Stufe in der Hierarchie
die Vorta. Von Weyoun erfahren wir mehr über die Geschichte der Vorta.
Er sagt sie seien kleine
affenähnliche Wesen gewesen als sich die Gründer ihrer annahmen.
Dies soll als Beispiel für den Großmut der Gründer dienen.
Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass die Vorta in den Gründern
Götter sehen. Dies ist im streng säkularen Star Trek Universum
nur schwer vorstellbar gewesen, selbst gottgleiche Aliens waren immer „Aliens“
– nicht mehr. Es war sogar sehr faszinierend zu sehen, dass die Föderationsoffiziere
auf Prä – Warp Welten wie Götter wirkten.
DS9 befasste sich aktiv
mit diesem Thema. Die Wurmlochwesen wurden von der Föderation als
Aliens eingestuft, die Bajoraner sahen in ihnen aber Götter. Offenkundig
gab es hier eine Spezies die sich nicht um die erste Direktive scherte.
Nicht nur das, sie war trotz dieses tiefenphilosophischen Mangels viel
höher entwickelt als die Föderation.
Es rüttelte an den Grundfesten von Star Trek an sich, Spezies einzuführen die das System von Religion relativ machten. Ein absolutes Religionssystem, sagt – es gibt einen Schöpfer, dieser ist allmächtig. Star Trek versuchte in TNG und TOS dies gänzlich zu beseitigen – es gibt keinen Schöpfer – nur irre allmächtige Wesen, der Mensch ist um seiner selbst Willen in der Welt.
In DS9 hatte man nun das Problem ein anderes Volk einführen zu müssen, die Bajoraner. Sie konnten aber nicht „humanistisch“ denken, denn dies sollte ja ein Kennzeichen der Föderation bzw. der Sternenflotte sein. Also mussten die Bajoraner einen Glauben haben. Jenen Glauben bezogen sie auf Götter die für Menschen gar keine Götter waren, nämlich die Propheten. Hier wurde das Konzept von Religion plötzlich relativ – es blieb jedem Volk selbst überlassen sein Glaubenssystem auszurichten, Religion wurde praktisch eine symbiotische Angelegenheit zwischen zwei Spezies. Plötzlich war Religion kein Hindernis mehr, dass durch Glauben an sich selbst überwunden wurde, nein, es war vielmehr eine tiefe spirituelle Verbindung an jemanden, an den man auch wirklich glauben konnte, weil er/sie existent war.
Auf die Spitze getrieben ergab diese Auffassung von Religion die Struktur des Dominion. Die Vorta (und natürlich auch die Jem Hadar) sehen in den Gründern ihre Schöpfer. Gerade die Vorta zeichnen sich vor allem durch Scharfsinn und Selbstbewusstsein aus. Sie sind neugierige Wesen und als solche wohl den Menschen nicht unähnlich. Die Gründer gaben den Vorta Evolution. Es ist leicht vorstellbar, dass auf einer früheren Heimatwelt der Gründer Vorta als niedere Diener eingesetzt wurden und vielleicht dadurch eine Beziehung zu den Formwandlern entstand, die ja auch eine Minderheit in der Gesellschaft darstellten.
Vielleicht halfen die Vorta auch den Gründern bei ihren ersten Bestrebungen „Ordnung“ zu schaffen und waren somit auch die ersten Wesen, welche von den Gründern genetisch modifiziert wurden. Die Vorta haben den Gründern viel zu verdanken – sie wurden von ihnen praktisch zu intelligenten und selbst bestimmten Wesen gemacht. Die Gründer gaben ihnen erst „echte“ Ordnung, nämlich jene im Geist. So erkoren sie die Gründer zu ihren Göttern und dies stellt den wirklichen Höhepunkt der Religionsansichten in DS9 dar. Hier gibt es zwei Völker, die einander nicht so krass gegenüberstehen, wie zum Beispiel die Menschen und Q oder die Bajoraner und die Propheten. Im Vergleich zu diesen Beziehungen befinden sich die Vorta mit den Gründern viel eher auf „Augenhöhe“, dennoch unterwerfen sich die Vorta – eine Geisteshaltung, die Menschen von heute als befremdlich erscheint, auf einen Menschen des 24. Jahrhunderts aber wie Sklaverei wirken muss. Sie würden sich den Gründern nie auf diese Weise unterwerfen, und dies ist auch die Wurzel des Konflikts den die Menschen mit den Vorta haben – ein neugieriges und intelligentes Volk, welches frohlockend in die Sklaverei geht.
Das letzte wichtige Element des Dominion an sich sind die Jem Hadar. Sie werden ständig als brutale Kampfmaschinen dargestellt. Doch was hat es mit den genetisch modifizierten und in der Retorte gezüchteten Superkriegern wirklich auf sich?
Ein Jem Hadar ist nicht nur einfach auf Kampf und Gehorsam gezüchtet. In einer Folge wird der dienst habende Vorta erschossen, in derselben wird sogar bekannt, dass sich Jem Hadar manchmal vom Dominion lossagen.
Wie passt das zu genetisch hoch gezüchteten treuen Kampfmaschinen?
Am wahrscheinlichsten ist, und dies wird auch mehrmals impliziert, dass die genetischen Schöpfungen der Gründer keinesfalls mechanisch denkende Wesen sind. Vielmehr besitzen die Vorta und die Jem Hadar einen eigenen Intellekt und obwohl eine gewisse Treue zu den Gründern sicher schon ihrer Genetik eingebaut wurde, so ist doch anzunehmen, dass freier Willensentscheid den weit größeren Umfang ihrer Treue ausmacht.
Nun zuerst ist es ein ähnliches Moment wie bei den Vorta. Ein Jem Hadar sieht die Gründer als seine Schöpfer an. Darüber hinaus kennt er auch den Willen seiner Götter, nämlich Ordnung in die Galaxie zu bringen. Er stellt sich selbst in den Dienst seines Gottes, nicht viel anders als ein Kreuzfahrer im Mittelalter. Er lässt sich als Mittel verwenden zum Zweck seiner Götter. Dies weißt sowohl Parallelen zu fanatischen Moslems in der heutigen Zeit aus, als eben auch zu der Organisation eines Kreuzfahrerheeres im Mittelalter.
Jem Hadar sehen sich als wahre Diener ihrer Götter, denn sie sind es die die Ordnung verbreiten. Sie haben ein Ziel vor Augen. Heutzutage ist es erwiesen, dass Terrorismus und Ausschreitungen vorwiegend in Gegenden mit hoher Jugendarbeitslosigkeit auftreten. Junge Männer tendieren zur Aggressivität wenn sie keine Perspektive im Leben haben – genau das passierte mit dem jungen Jem Hadar den Odo versuchte aufzuziehen. Er wusste das Odo ihm ein Ziel geben konnte, nur war Odo nicht bereit dies zu tun, er wollte ihn stattdessen der Selbstreflexion überlassen.
Dies konnte nicht funktionieren, der Jem Hadar wollte ein Ziel. Den Jem Hadar im Dienste des Dominion wird dieses Ziel gegeben – Ordnung für ihre Götter. Dies ist der eine Zweck ihres Lebens, und das wissen sie. Stellen wir uns vor die Menschheit hätte von Gott ein Blatt Papier mit dem Sinn des Lebens erhalten – jede Faser unseres ich’s wäre von Gott so erschaffen auf dieses Ziel hinzustreben. Wäre es nicht unser Lebensinhalt?
So ist auch für den Jem Hadar der einen Sieg für die Ordnung erringt dieser Sieg sein Leben, der eine Zweck seines Bestehens und als solcher Erfüllung des göttlichen Plans.
Die unterste Stufe in der
Hierarchie des Dominion stellen die Mitgliedsvölker dar. Es ist nicht
ganz klar wie die Beziehung dieser zur übergeordneten Hierarchie genau
aussieht. Die Karemma im Gamma Quadranten sind den Gründer lediglich
tributpflichtig, die Cardassianer hingegen mussten auch als Soldaten am
Krieg teilnehmen, Schiffe zur Verfügung stellen und schienen an sich
viel eigenständiger handeln zu dürfen als man es sich von einer
Militärdiktatur erwarten durfte. Doch erscheint diese Ungleichbehandlung
unproblematisch, das Dominion verwendet alle Ressourcen die ihm zur Verfügung
stehen, als solche auch die Cardassianer als Soldaten.
Wie die Gründer die
Mitgliedsvölker sehen, ist nicht ganz klar. Die Gründer sehen
die Solids eindeutig als die Unordnung die es zu bekämpfen gilt. Allerdings
beherrschen sie auch die Solids, also sehen sie diese nicht automatisch
als verachtenswerte Unordnung an. Vielmehr werden Solids die sich der Ordnung
nicht widersetzen in das Dominion eingegliedert.
Das Dominion ist zweifelsfrei
ein gut durchdachtes Sternenimperium, voll von interessanten Ideen und
verschiedensten Abhängigkeiten. Es ist wohl das interessanteste „feindliche“
Imperium in der Star Trek Galaxis. Was aber wirklich zu faszinieren vermag
ist für mich die schlaue Bearbeitung religiöser Ideen und die
Abwägung zeitgemäßer Metaphern im besten Stil Star Treks.